Verein zur Förderung persönlichen Wachstums e.V.

Der Verein hat seinen Sitz in Welschbillig (Nähe Trier/Luxembourg).

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LANDART VON BERNHARD FIEGER IN DER SAHARA

 

Stille

nur ein sanftes Brausen des Windes
ein stetig auf- und abwallendes Rauschen im Gehörgang
ab und zu das sirrende Summen von lästigen Fliegen
die überall dort Nahrung suchen wo die schweißtreibende Haut
ohne schützendes Tuch blank in der Sonne blinkt

Stille

nicht nur die Reduzierung auf wenige Geräusche
auch die schiere Unbewegtheit der Landschaft
die gelassene Ruhe und Zurückhaltung der Menschen in ihr
das geduldige Warten
und das wache da sein

Stille

das ist das sachte Kommen und Gehen des Windes
das Streicheln der Dünen
das unsichtbare Formen der Landschaft
der unmerkliche Flug des staubfeinen Sandes
als sei es nichts zu fliegen
und so bewegt die ziellose Weite zu suchen

Stille

Landart und Foto: Bernhard Fieger

Ein Ziel in der Wüste ist nicht ein Ort
oder ein Zustand, den es zu erreichen gilt.
Dies ist eine Erfindung westlicher Zivilisation,
die zum Zwecke der Nachweisbarkeit einer Zielerreichung
auch gleich die Messsysteme dazu erfunden hat.

Ein Ziel in der Wüste erreichen heißt,
dem Kommen und Gehen des Windes zuschauen,
dem Kommen und Gehen der Sonne folgen,
dem Kommen und Gehen von Tag und Nacht gehorchen,
dem Kommen und Gehen der Welt offen begegnen,
dem eigenen Kommen und Gehen treu bleiben.

Das Ziel in der Wüste ist immer in Dir selbst –
wohin Du auch gehst, Du kommst bei Dir an.

reduziere

bei all dem was du tust
bei all dem was du denkst
bei all dem was du sprichst
bei all dem was du fühlst
bei all dem was du liebst
bei all dem was du bist

reduziere

in dem wenigen liegt das besondere
in dem wenigen zeigt sich das wesentliche
in dem wenigen findet sich das eigentliche
weniges braucht es zu leben
weniges ist nötig zu lieben
weniges bleibt zu sterben

reduziere

in der einfachheit entdeckst du
die vielfalt des lebens
in der stille hörst du
die musik der liebe
in der ruhe erlebst du
die sanftmut des todes

Hätte ich mit westlichem Denken
die Wüste gestalten wollen,
fein säuberlich dem Dünensaum entlang,
ich hätte Düne für Düne analysiert,
hätte Wind und Sand und Zeit,
wissenschaftlicher Betrachtung unterwerfend,
mit mathematischer Genauigkeit bezwungen
und gemessenen Schrittes
den perfekt konstruierten Kreis gezirkelt.

So aber befand ich mich auf ausgetrocknetem Wüstenboden
in einer reichen Kultur inmitten unwirtlicher Landschaft,
in der ein unsteter Wind flüsternd Geschichten erzählt.
Intuitiv fühlte ich in meinem ganzen Körper
wie der natürliche Lauf des Tages keinem Uhrschlag
und die lautvolle Stille der Wüste keiner Richtung folgt.
Ganz wenig nur braucht das Leben!
Das Maß ist das, was geschieht
sichtbar ist das, was die Kulturweisheit fassbar macht.

Bernhard Karl Fieger wurde 1957 in Walldürn, Nordbaden geboren. Er lebt und arbeitet heute als Diplominformatiker in Zürich.

Der teilweise nüchterne, mit sehr abstrakten Inhalten befasste Job erfordert regelmäßigen Ausgleich. Von 1995 unternahm Bernhard Fieger Studienreisen ins südeuropäische und nordafrikanische Ausland. Die Inspiration für seine kreativen Arbeiten findet er in Natur, Landschaft und fremder Kultur.

Die Wüste in Südmarokko war eine besondere Erfahrung, weil wir abseits jeder gewohnten Zivilisation in einer anderen Kultur lebten. Der Weg in eine andere Kultur, zumal in einer Wüstenregion, ist wie ein Spiegel: ich bin mit mir selbst konfrontiert – da sein erfahre ich als in der Fremde sein und zugleich ganz wahr bei mir sein.

In Südmarokko entstand die hier präsentierte Arbeit zwischen den Dünen. Sie stellt einen Ausschnitt von vielen unterschiedlichen Arbeiten dar, die in den letzten Jahren entstanden waren – zugleich aber immer auch vergänglich der Natur, der Landschaft überlassen wurden.

Meine Arbeiten entstehen in direktem Kontakt mit der mich umgebenden Landschaft. Sie sind wie eine symbiotische Einheit von Natur und Kultur. Dass die Objekte in ihrer Umgebung verbleiben, macht zugleich ihren besonderen Reiz und ihre Einzigartigkeit aus. Das fasziniert mich: etwas schaffen, das bleibt und doch zugleich vergeht, dem dauernden Werden und Vergehen überlassen. Das ist Wandel, das ist Wachstum, das ist Leben.

E-Mail: bernhard(at)wachstums-impulse.de

Bernhard Ayachi Fieger

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